Selbständig machen als Versicherungskaufmann: Voraussetzungen, Kosten & Chancen

Gerade die Finanz- und Versicherungswirtschaft bietet vielfältige Möglichkeiten für Selbstständige. Der selbstständig tätige Versicherungsmakler ist ein Job mit Zukunft und guter Bezahlung bei ausreichendem Fachwissen.

Voraussetzung: Berufsausbildung als Finanzkaufmann

Die Ausbildung zum Finanz- und Versicherungskaufmann erfolgt in der Regel im Rahmen der dualen Ausbildung, was einen Besuch der Berufsschule ebenso umfasst wie die Arbeit in einem Unternehmen dieser Richtung. Eine Zugangsvoraussetzung zum Erlernen des Berufs gibt es nicht, allerdings sollten Bewerber gut mit Menschen umgehen können, vertrauenswürdig und zuverlässig wirken. Der Servicegedanke muss selbstverständlich sein! Auch die Zensuren spielen eine Rolle: Mit einer Fünf in Mathe dürfte es schwer werden, einen Ausbildungsplatz als Finanzfachmann zu bekommen.

Die Grundausbildung ist für den Finanz- und den Versicherungskaufmann gleich, erst im dritten Ausbildungsjahr erfolgt die Spezialisierung. Da es sich um eine ganz normale Ausbildung handelt, fallen für diese Zeit keine Kosten außer der eventuellen Unterbringung oder der An- und Abreise zur Berufsschule (bei Blockunterricht) an. Dafür gibt es aber eine Vergütung, die sich im dritten Lehrjahr um 1.100 Euro brutto bewegt.

Natürlich braucht der Versicherungsfachmann, der übrigens nicht nur zu Versicherungen berät, sondern auch zu diversen Finanzprodukten und Möglichkeiten zur Vermögensanlage, ein eigenes Büro. Hier empfängt er seine Kunden und Geschäftspartner, daher sollte das Büro präsentabel sein (#01)

Natürlich braucht der Versicherungsfachmann, der übrigens nicht nur zu Versicherungen berät, sondern auch zu diversen Finanzprodukten und Möglichkeiten zur Vermögensanlage, ein eigenes Büro. Hier empfängt er seine Kunden und Geschäftspartner, daher sollte das Büro präsentabel sein (#01)

Existenzgründung als Versicherungskaufmann

Nach der Ausbildung besteht die Möglichkeit zur Weiterbildung zum Fachwirt für Finanzberatung, zum Betriebswirt für Finanzen oder zum Versicherungsfachwirt. Derartige Lehrgänge werden berufsbegleitend angeboten und enden mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Zu den wichtigsten Voraussetzungen für den Job als Versicherungsmakler zählt, dass vor der selbstständigen Arbeit ein Sachkundenachweis bei der Industrie- und Handelskammer zu erbringen ist.

Außerdem müssen eine

  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

nachgewiesen werden.

Der Grund: Kommt es aufgrund einer fehlerhaften Beratung zu einem Schadensfall beim Kunden, so kann dieser die Haftung des Versicherungsvertreters verlangen. Damit dieser aber vor dem finanziellen Ruin geschützt ist (Haftpflichtschäden können die Millionenhöhe erreichen!), ist die Versicherung verpflichtend. Dies schützt außerdem dem Kunden vor einem Haftungsausfall seitens des Schadenverursachers, der in diesem Fall der Versicherungsberater ist. Wichtig: Die Haftpflichtversicherung muss sich auf den gesamten europäischen Raum erstrecken, auch dann, wenn der Versicherungsfachmann nicht im Ausland tätig werden möchte.

Der künftige selbstständige Versicherungskaufmann muss zudem einen Nachweis über seine geordneten Vermögensverhältnisse sowie ein polizeiliches Führungszeugnis beibringen. Danach erst kann die IHK die Eintragung in das elektronische Erfassungsregister vornehmen.
Der Versicherungskaufmann muss sich darüber im Klaren sein, dass er seinen Kunden gegenüber umfassende Dokumentations- und Auskunftspflichten hat, auch das ist ein Punkt, der im Sachkundenachweis besprochen wird.

Video: Kaufmann Versicherung und Finanzen – Ausbildung – Beruf

Weitere Voraussetzungen: Eigenes Büro und Businessplan

Natürlich braucht der Versicherungsfachmann, der übrigens nicht nur zu Versicherungen berät, sondern auch zu diversen Finanzprodukten und Möglichkeiten zur Vermögensanlage, ein eigenes Büro. Hier empfängt er seine Kunden und Geschäftspartner, daher sollte das Büro präsentabel sein. Ein billiger Schreibtisch mit Stuhl und als Lagermöglichkeit ein kleiner Schrank?

Setzen Sie auf hochwertige Möbel von Otto-Office, die den ergonomischen Ansprüchen ebenso genügen wie dem Wunsch nach Repräsentation. Bedenken Sie: Im Büro betreiben Sie Kundenakquise, empfangen Kunden zur Beratung und nehmen die Buchhaltung vor. Hier sollten Sie sich wohlfühlen, denn Sie werden viele Stunden in den eigenen vier Arbeitswänden verbringen! Ein Tipp: Das Büro sollte gut angebunden sein, sodass Ihre Kunden Sie leicht erreichen können. Außerdem sollten Parkplätze in erreichbarer Nähe sein, wobei „erreichbar“ fußläufig meint.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Arbeit als Versicherungskaufmann ist die Erstellung eines Businessplans. Dieser stellt eine Planung des aktuellen Geschäftsvorhabens dar und zeigt einen Ausblick auf die kommende Zeit. Planen Sie das unternehmerische Vorhaben bis ins Detail und denken Sie auch an die Standortanalyse, an die Finanzplanung und an einen möglichen Kapitalbedarf. Die Marketingstrategie ist ebenfalls von Interesse, wenn der Businessplan als wichtigste Unterlage zum Kreditantrag an die Bank übergeben werden muss.

Wichtig: Der Businessplan sollte immer vorliegen, auch dann, wenn Sie kein Darlehen benötigen! Denn dieser gibt einen guten Überblick über den aktuellen Stand und verdeutlicht die geplanten Maßnahmen. Er dient zudem als Erfolgskontrolle und zeigt nach einigen Jahren auf, welche Punkte der Selbstständige zu blauäugig betrachtet wurden oder wo Sie sich sogar selbst unterschätzt haben.

Natürlich braucht der Versicherungsfachmann, der übrigens nicht nur zu Versicherungen berät, sondern auch zu diversen Finanzprodukten und Möglichkeiten zur Vermögensanlage, ein eigenes Büro. (#02)

Natürlich braucht der Versicherungsfachmann, der übrigens nicht nur zu Versicherungen berät, sondern auch zu diversen Finanzprodukten und Möglichkeiten zur Vermögensanlage, ein eigenes Büro. (#02)

Die Kosten explodieren: Kompromisse finden

Die Ausbildung zum Versicherungs- und Finanzkaufmann kostet kein Geld, solange Sie diese nicht privat durchführen. Private Ausbildungsstätten kassieren in der Regel ein Schulgeld, welches pro Ausbildungsjahr oder halbjährlich fällig wird. Auch der Start in die berufliche Selbstständigkeit kostet eigentlich nichts – allerdings sollten die Büroräume in einer strategisch günstigen Lage sein, sodass Sie neben den Kunden, die Sie eigens aufsuchen, auch die Laufkundschaft ansprechen können.

Allerdings sind die Mietkosten für Büros in exponierter Lage oft extrem hoch. Sie müssen daher als Berufsanfänger häufig einen Kompromiss zwischen der zentralen Lage sowie den Mietkosten finden, die überschaubar bleiben müssen. Stellen Sie die monatlichen Fixkosten in einer Übersicht zusammen und versuchen Sie, diese für mindestens drei Monate aus finanziellen Rücklagen zu decken. Denken Sie immer daran: Gerade anfangs sollten Sie etwas Geld in der Hinterhand behalten, denn die Einnahmen werden naturgemäß erst einmal langsam fließen.

Weitere Kosten auf dem Weg zur Selbstständigkeit

Wenn Sie als selbstständiger Versicherungskaufmann arbeiten wollen, fallen zu Beginn der Tätigkeit noch weitere Kosten an. Diese sind in den allgemeinen Informationen zum Beruf meist nicht genannt, sind aber in der Praxis unverzichtbar. Um solche handelt es sich beispielsweise bei der Software. Eine gut durchdachte Maklersoftware erleichtert den Alltag, muss aber als Betriebsausgabe eingeplant werden.

Dabei sind die Preise sehr verschieden: Kostet die eine Software nur 28 Euro im Monat, weil sie gemietet wird, kostet eine andere weit über 400 Euro beim Kauf. Wählen Sie die Software anhand Ihres individuellen Bedarfs aus, denn niemandem bringt es etwas, eine unnötige teure Software mit toller Ausstattung zu besitzen, diese dann aber nur in eingeschränktem Maße zu nutzen. Setzen Sie auf Testversionen, ehe Sie sich an eine Softwarevariante binden!

Die Mär, dass ein Versicherungskaufmann unbändig viel Geld verdient, mag stimmen – wenn Sie denn der absolute Profi und gefragteste Makler weit und breit sind. (#03)

Die Mär, dass ein Versicherungskaufmann unbändig viel Geld verdient, mag stimmen – wenn Sie denn der absolute Profi und gefragteste Makler weit und breit sind. (#03)

Chancen als Versicherungskaufmann: Selbst, ständig und im Wettbewerb

Die Mär, dass ein Versicherungskaufmann unbändig viel Geld verdient, mag stimmen – wenn Sie denn der absolute Profi und gefragteste Makler weit und breit sind. Durchschnittliche Versicherungsmakler verdienen gerade zu Beginn der Selbstständigkeit deutlich zu wenig Geld, als dass sich der Aufwand lohnen würde. Doch wer sich durchbeißt und sich gegen die harte Konkurrenz durchsetzen kann, hat gute Chancen, ein florierendes Büro aufzubauen.

Der Grund: Versicherungen muss es immer geben, wobei die Art der Versicherungen einem Wandel unterliegen kann. Heute werden andere Dinge versichert als früher und ein moderner Versicherungskaufmann muss sich auch mit einer Reihe von Finanzprodukten auskennen. So zum Beispiel mit der Riester-Rente oder mit einer anderen Form der privaten Altersvorsorge. Vor allem anfangs ist ein herausragender Einsatz mit großem zeitlichen Aufwand gefordert, um das eigene Versicherungsbüro auf dem Markt zu etablieren und konkurrenzfähig zu halten.

Video: Versicherungsvertreter vs. Versicherungsmakler [Unterschiede]

Allerdings gibt es verschiedene Tätigkeitsbereiche bzw. –arten, in denen Sie arbeiten können:

  1. Einfirmenvertreter
    Der Einfirmenvertreter vertritt, wie der Name schon sagt, nur ein einzelnes Unternehmen und kennt sich mit den Produkten des Unternehmens bestens aus. Dieser Vertreter kann aber nie die ganze Palette an möglichen Versicherungen anbieten und wird damit nie zum alleinigen Ansprechpartner seiner Kunden. Außerdem kann er durch die Gesellschaft gekündigt werden und muss sich völlig neu orientieren.
  2. Versicherungsmakler
    Der Versicherungskaufmann, der als Versicherungsmakler selbstständig am Markt tätig ist, kann aus einer bunten Palette an Möglichkeiten wählen. Er berät seine Kunden umfassend und zu vielen verschiedenen Produkten, die sowohl in die Versicherungs- als auch in die Finanzbranche einzuordnen sind. Wichtigste Voraussetzung hier: Der Makler muss sich das Vertrauen seiner Kunden erarbeiten, die stets einen Vorteil von der Versicherung wünschen. Gleichzeitig muss er aber die Belange der Versicherung berücksichtigen und in ihrem Sinne tätig werden. Seine fachliche Kompetenz ist unübertroffen, außerdem ist Seriosität ungemein wichtig.

Sie können als Versicherungskaufmann zudem eine Zusatzausbildung zum Fachwirt für Finanzberatung absolvieren. Damit stellen Sie Ihr fachlichen Know-how unter Beweis und heben sich von der Konkurrenz ab. Außerdem besitzen Sie dann ein weiteres Zertifikat der IHK, mit dem Sie gegenüber den Kunden punkten können und das Ihnen die Kompetenz bescheinigt. Sie beraten zu Versicherungslösungen für Privatleute und Gewerbe und sind auch in Fragen der Kapitalanlage oder des Kaufs von Immobilien aussagefähig. Vor allem Selbstständige sollten unbedingt versuchen, diesen Abschluss zu erreichen, denn sie werden zu jeder Zeit von einer harten Konkurrenz umgeben sein.

Wenn sich die Spreu vom Weizen trennen soll und Ihre Kunden nur den Besten der Besten an ihre Versicherungsfragen lassen wollen, so spielen die Themen Fachkenntnis, Vertrauenswürdigkeit und ständige Weiterbildung eine große Rolle bei der Auswahl. Die Chancen auf Erfolg stehen gut, denn Versicherungskaufleute muss es immer geben, wobei sich diese wie gesagt auch auf Finanzprodukte konzentrieren sollten. Der Vorteil der Kunden, dass diese alle Leistungen aus einer Hand bekommen, wird Ihnen zum Wettbewerbsvorteil gereichen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  Jack Frog-#01:  g-stockstudio  #02: Minerva Studio  -#03: mavo

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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