Direktversicherung: Betriebliche Vorsorge durch Lebensversicherung

Als Arbeitnehmer können Sie eine betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen. Eine Möglichkeit hierfür stellt die Direktversicherung dar. Wodurch zeichnet sich diese Form der Vorsorge aus und welche Vorteile bietet sie?

Die Altersvorsorge: Ein immer größeres Problem für die Gesellschaft

Lange Zeit war es üblich, dass ein Arbeitnehmer lediglich in die staatliche Rentenversicherung einbezahlt hat. Wenn er das Renteneintrittsalter erreichte, erhielt er fortan eine monatliche Zahlung, die sein Auskommen sicherstellte. Das Geld, das hierfür notwendig war, stammte aus den Beitragszahlungen der jüngeren Generation, die zu diesem Zeitpunkt werktätig war. Wenn diese Arbeitskräfte nach einiger Zeit ebenfalls das Renteneintrittsalter erreicht haben, kam die nächste Generation für die Rentenzahlungen auf.

Dieses Prinzip wurde als Generationenvertrag bezeichnet. Über viele Jahrzehnte hinweg funktionierte es sehr gut. Mittlerweile ist jedoch klar geworden, dass das keine dauerhafte Lösung darstellen kann. Die aktuelle demografische Entwicklung führt dazu, dass hierbei eine immer größere Finanzierungslücke entsteht.

Ein Grund hierfür stellt der starke medizinische und technische Fortschritt der letzten Jahre dar. Dieser führt dazu, dass die Menschen immer älter werden. Solange das Renteneintrittsalter gleich bleibt, hat das zur Folge, dass die Dauer des Rentenbezugs deutlich ansteigt.

Die folgende Tabelle verdeutlicht dies:

Durchschnittliche Dauer des Rentenbezugs in Jahren
1960 9,9
1990 15,4
2010 18,5
2015 19,6
2016 19,6
2017 19,9

 

Wenn man den ersten Wert aus dem Jahr 1960 mit den aktuellen Zahlen von 2017 vergleicht, wird deutlich, dass sich in diesem Zeitraum die Dauer des Rentenbezugs mehr als verdoppelt hat. Das führt selbstverständlich dazu, dass auch die Kosten für die Rentenzahlungen deutlich angestiegen sind. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die geringe Geburtenrate.

Da die Menschen in Deutschland nur noch sehr wenige Kinder bekommen, reduziert sich der Anteil der werktätigen Bevölkerung im Vergleich zu den Rentnern zusätzlich. Das bringt weitere Probleme bei der Finanzierung der Rentenzahlungen mit sich.

Video: Direktversicherung: Ärger um Altersvorsorge | Markt | NDR

Die betriebliche Vorsorge als weiteres Standbein für einen hohen Lebensstandard im Alter

Die oben beschriebenen Probleme führten dazu, dass die Politik bereits vor vielen Jahren damit begonnen hat, das Rentensystem umzubauen. Da es absehbar ist, dass die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherungen immer geringer werden, können diese alleine den Lebensunterhalt im Alter nicht mehr sicherstellen. Daher hat die Regierung weitere Formen der Vorsorge eingeführt und fördert diese mit verschiedenen Prämien. Auf diese Weise soll der Lebensunterhalt im Alter auf mehreren Säulen basieren. Diese sollen zusammen eine gute Versorgung sicherstellen. Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt dabei nach wie vor der Hauptpfeiler. Dazu sollen jedoch die private und die betriebliche Vorsorge kommen.

Die private Vorsorge für das Alter beruht darauf, dass sich jeder Bürger zu einem bestimmten Teil selbst um seinen Lebensunterhalt nach dem Erreichen des Rentenalters kümmert. Zu diesem Zweck soll er jeden Monat einen Teil seines Einkommens zur Seite legen und in eine private Rentenversicherung einzahlen. Die Beträge, die er dabei anspart, werden ihm dann zuzüglich der anfallenden Zinsen und Gewinne im Alter ausbezahlt. Hinzu kommen staatliche Förderungen, die diese Vorsorgeform attraktiver machen sollen.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der betrieblichen Altersversorgung. Dabei behält der Arbeitgeber einen Teil des Lohns oder Gehalts ein. Mit diesem Betrag sorgt er für eine zusätzliche Absicherung der Arbeitnehmer. Dieser erhält die entsprechenden Beträge inklusive aller Gewinne nach dem Eintritt in das Rentenalter ausbezahlt. Die Arbeiter und Angestellten profitieren dabei in erster Linie von steuerlichen Vergünstigungen.

Die Beiträge für die betriebliche Altersversorgung sind zumindest bis zu einem bestimmten Grenzwert weder steuer- noch sozialversicherungspflichtig. Die geringere steuerliche Belastung macht dieses Modell für viele Arbeitnehmer attraktiv. Die folgende Tabelle zeigt, wie hoch der Anteil der Betriebe ist, die entsprechende Vorsorgeleistungen anbieten und welcher Prozentsatz der Arbeiter und Angestellten diese nutzt:

Verbreitung der betrieblichen Vorsorge in Prozent
2001 2014 2015
Betriebsstätten 31 49 49
Arbeitnehmer 38 48 47

 

Diese Auflistung zeigt, dass die Anzahl der Personen, die die betriebliche Altersversorgung nutzen, seit der Jahrtausendwende deutlich angestiegen ist. Dennoch sorgt bislang nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung auf diese Weise für das Alter vor.

Die erheblichen steuerlichen Vorteile führen jedoch dazu, dass diese Form der Altersversorgung sehr attraktiv ist. Dass dennoch nur ein vergleichsweise geringer Anteil der Bevölkerung diese nutzt, liegt unter anderem daran, dass viele Menschen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Leistungen hat. Das ist in der Regel jedoch unbegründet. Die Arbeitgeber müssen bei der betrieblichen Altersversorgung genaue Vorschriften beachten, die dafür sorgen, dass die Anlage sicher ist. Sollten dabei einmal Probleme auftreten, können Sie sich auch an eine Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe wenden.

Um einen passenden Ansprechpartner zu finden, können Sie Kontakt zur Bundeszentrale dieses Verbands aufnehmen:
Verbraucherzentrale Bundesverband
Markgrafenstraße 66
10969 Berlin
Tel.: 030 25 80 00

Im Bereich der betrieblichen Altersversorgung haben die Angestellten die Auswahl aus mehreren unterschiedlichen Angeboten. In größeren Betrieben kommt es häufig zu einer Direktzusage.

Im Bereich der betrieblichen Altersversorgung haben die Angestellten die Auswahl aus mehreren unterschiedlichen Angeboten. In größeren Betrieben kommt es häufig zu einer Direktzusage.(#01)

Die Direktversicherung: Eine von mehreren Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung

Im Bereich der betrieblichen Altersversorgung haben die Angestellten die Auswahl aus mehreren unterschiedlichen Angeboten. In größeren Betrieben kommt es häufig zu einer Direktzusage. Das bedeutet, dass das Unternehmen die Beträge, die für die Vorsorge vorgesehen sind, einbehält und selbst investiert. Wenn der Mitarbeiter dann das Rentenalter erreicht hat, bezahlt ihm der Betrieb die entsprechenden Beträge aus.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass das Unternehmen eine Unterstützungskasse zu diesem Zweck einrichtet. Diese ist zwar eigenständig, aber dennoch eng mit dem Betrieb verbunden. Die Beiträge, die die Unterstützungskasse verwaltet, verwendet sie häufig für Investitionen im Mutterunternehmen. Auf diese Weise trägt sie auch zum Wachstum des Betriebs bei.

Während bei den soeben vorgestellten Formen der Altersversorgung das Unternehmen selbst für die Verwaltung der Beiträge verantwortlich ist, kann es diese Aufgabe auch einem externen Anbieter überlassen. In diesem Fall zahlt das Unternehmen, bei dem Sie beschäftigt sind, Beiträge in ein handelsübliches Altersvorsorge-Produkt ein. Dabei ist es möglich, entweder in eine Pensionskasse oder in einen Pensionsfonds einzuzahlen.

Während die Pensionskasse im Wesentlichen auf dem Modell der Lebensversicherung beruht, wird bei einem Pensionsfonds das Geld in verschiedenen Fonds angelegt. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, eine Direktversicherung abzuschließen. Auch diese beruht auf dem Prinzip der Lebensversicherung und ist beinahe identisch zur Pensionskasse. Die Rente über eine Direktversicherung zu verbessern, wird immer beliebter.

Das zeigt folgende Tabelle:

Abgeschlossene Direktversicherungen (in Mio.)
1974 1,34
1980 2,41
1990 3,83
2000 5,80
2005 5,86
2010 6,75
2014 7,64
2015 7,74
2016 7,89
2017 8,11

Eine Lebensversicherung diente ursprünglich dazu, die Hinterbliebenen im Todesfall abzusichern.

Eine Lebensversicherung diente ursprünglich dazu, die Hinterbliebenen im Todesfall abzusichern.(#02)

Was genau ist eine Direktversicherung?

Eine Direktversicherung ist im Prinzip genau das Gleiche, wie eine gewöhnliche Lebensversicherung. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass Sie die Beiträge nicht selbst einzahlen. Anstatt dessen übernimmt der Arbeitgeber diese Aufgabe.

Eine Lebensversicherung diente ursprünglich dazu, die Hinterbliebenen im Todesfall abzusichern. Das ist insbesondere für Familien sinnvoll, da diese vor großen finanziellen Problemen stehen, wenn der Hauptverdiener plötzlich stirbt. Wenn die versicherte Person jedoch eine bestimmte Altersgrenze erreicht, ohne dass der Todesfall eintritt, erhält sie keine Leistungen. Dieses Prinzip wird als Risikolebensversicherung bezeichnet. Für die Altersversorgung ist diese Form der Lebensversicherung jedoch nicht geeignet.

Als Alternative dazu hat sich die Kapitallebensversicherung eingebürgert. Diese zahlt im Todesfall deutlich weniger Euro aus als eine Risikolebensversicherung. Allerdings erhält der Versicherungsnehmer beim Erreichen des vorgegebenen Alters eine fest zugesagte Zahlung. Diese kann er sich entweder als Einmalzahlung auszahlen lassen oder als monatliche Rente. Diese Art der Lebensversicherung eignet sich sehr gut für die Altersvorsorge, da sie eine garantierte Zahlung im Alter beinhaltet.

Die Leistungen im Todesfall stellen dabei lediglich einen kleinen Zusatz dar, der nur eine untergeordnete Rolle spielt. Daher handelt es sich bei einer Direktversicherung immer um eine Kapitallebensversicherung.

Video: So wird es auch Ihnen gehen, wenn Sie eine Betriebliche Direktversicherung abgeschlossen haben!

Welche Vorteile bietet die Direktversicherung?

Wenn Sie darüber nachdenken, eine Direktversicherung abzuschließen, dann ist es wichtig, sich über die Vor- und Nachteile dieser Form der Altersversorgung zu informieren. Einen großen Vorteil der Direktversicherung stellt die garantierte Mindesthöhe der Rente dar. Bereits bei Vertragsschluss wissen Sie genau, wie viel Euro pro Monat Sie im Alter mindestens erhalten. Das sorgt im Vergleich zu anderen Vorsorgeformen, bei denen keine Zahlungen garantiert sind, für mehr Sicherheit.

Ein Nachteil der Direktversicherung besteht darin, dass die Rendite dabei relativ gering ist. Es gibt zwar vorgeschriebene Garantiezinsen, doch sind diese derzeit so niedrig, dass sich die Direktversicherung unter diesen Umständen kaum lohnt.

Direktversicherung: Eine sinnvolle Komponente für eine gute Altersvorsorge?

Die Direktversicherung bietet eine hohe Sicherheit für die Altersversorgung. Allerdings ist die Rendite recht gering. Daher müssen sie sich genau überlegen, ob sich diese Form der Vorsorge für das Alter für Sie lohnt. Dabei kommt jedoch häufig noch ein weiterer Faktor ins Spiel: In vielen Betrieben leisten die Arbeitgeber freiwillig einen zusätzlichen Beitrag zur betrieblichen Altersversorgung.

Wenn das in Ihrem Unternehmen der Fall ist, dann kann sich der Abschluss einer Direktversicherung lohnen. Dadurch erhalten Sie zusätzliche Leistungen vom Arbeitgeber, die Sie sonst nicht bekommen würden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: goodluz -#01: goodluz -#02: Adam J

 

 

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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